"Ich bin sehr skeptisch"
Bürgermeister Michael Kreuzberg glaubt nicht mehr an eine Erweiterung des Phantasialands. Die Betreiber wollen sich erst heute zu den Ansichten des Verwaltungschefs äußern.
Brühl- Nun glaubt auch Brühls Bürgermeister Michael Kreuzberg "ganz persönlich" offenbar nicht mehr an eine Erweiterung des Brühler Phantasialands. Dies wurde in der Ratssitzung am Montagabend deutlich. SPD-Fraktionschef Dr. Matthias Petran hatte öffentlich angefragt, ob Kreuzberg etwas zu den Hintergründen der gegenwärtigen Diskussion beim Regionalrat Köln sagen könne.
Entscheidung vertagt
Erst vor wenigen Tagen war vermeldet worden, dass die für kommenden Freitag mit Spannung erwartete Entscheidung des Regionalrats über die Erweiterung des Brühler Freizeitparks auf September verschoben worden ist. Als Grund war eine fehlende Beschlussvorlage der Bezirksregierung Köln genannt worden. Derweil verkündete das Phantasialand in einer Pressemitteilung, es verabschiede sich "vorerst" von der beantragten Erweiterungsfläche um 30 Hektar und begnüge sich mit 16 Hektar. Die restliche Fläche solle zu einem späteren Zeitpunkt neu beantragt werden, so das Brühler Unternehmen. Als Grund nannten die Betreiber, dass es für eine Erweiterung um 16 Hektar eine "breitere, parteiübergreifende Zustimmung" gebe. Kreuzberg bestätigte in der Ratssitzung, dass es "gewisse Einigungen" gebe. Gleichwohl räumte er ein, dass der Kölner Regierungspräsident (RP) Hans Peter Lindlar offensichtlich Bedenken hege. Dem "Kölner Stadt-Anzeiger" habe er, Kreuzberg, entnommen, dass der RP im Ältestenrat des Regionalrats berichtet habe, dass das Umweltministerium dem Phantasialand die Waldflächen für die Erweiterung gar nicht verkaufen wolle. "Ich gehe davon aus, dass den Erweiterungswünschen somit nicht entsprochen wird. Ich bin sehr skeptisch. Ich denke, dass es sich eher erledigt hat", so Kreuzberg. Seine persönliche Einschätzung sei es, dass man mit dem Anliegen nun nicht mehr weiterkomme. "Alles Lamentieren nützt doch nichts", so Kreuzberg gestern gegenüber dieser Zeitung. Den Vorwurf einiger Kontrahenten, es handele sich bei diesem "Rückzug" um Wahltaktik, weist der Bürgermeister weit von sich: "Das ist doch an den Haaren herbeigezogen." Jedermann wisse, dass er immer wieder auf die positiven Auswirkungen einer Erweiterung hingewiesen habe. "Ich hätte mir das auch anders gewünscht."
Sichtlich überrascht reagierten die Ratskollegen in der Sitzung auf die Ausführungen des Verwaltungschefs. CDU-Fraktionsvorsitzender Hans Theo Klug zeigte sich gestern weniger erstaunt über den Inhalt dessen, was Kreuzberg sagte, schließlich habe er durch die letzten Zeitungsartikel bereits geahnt, "dass da etwas im Busch ist". Allerdings habe ihn die Deutlichkeit seiner Worte überrascht. Ähnlich äußerte sich FDP-Chef Jochem Pitz, der es vor allem als "höchst unerfreulich" erachtet, wenn sich tatsächlich herausstellen sollte, dass sich die Landesregierung über die politischen Entscheidungen im Regionalrat hinwegsetze. "Man hätte es von vornherein sagen und dem Phantasialand teure Gutachten ersparen können", so Pitz.
"Korken knallen lassen"
Michael vom Hagen, Fraktionsvorsitzender der Brühler Grünen, zeigte sich hingegen verwundert darüber, wie "lapidar" Kreuzberg seine Äußerungen getätigt habe. "Offensichtlich hat er das Phantasialand als großen Heilsbringer für die Stadt Brühl ganz beiläufig aufgegeben", sagte vom Hagen. Wenn es nun wirklich dazu komme, dass das Phantasialand nicht erweitert werde, "werden wir zusammen mit den Bürgerinitiativen die Sektkorken knallen lassen. Von "Schwarzmalerei" sprach Heinz Schmitz, Chef der fw/bvb, gestern. Aufgrund der Berichterstattung sei er keineswegs überrascht gewesen, wolle nun jedoch erst einmal die Stellungnahmen abwarten. Aus allen Wolken fielen allerdings die Betreiber des Brühler Freizeitparks, unter ihnen auch Parkdirektor Ralf-Richard Kenter, der erst einmal alle Informationen zusammentragen möchte, bevor er sich dann heute äußern wird.