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  • B&Ms neue Generation?



    Die Ankündigung der 2015 Neuheit in der amerikanischen Holiday World sorgt in der Branche für reichlich Aufsehen. Dass man die erste Stahlachterbahn des Parks aus dem Hause Bolliger und Mabillard bezieht ist weniger überraschend, als dass diese der erste Launch Coaster des Herstellers wird, der schon seit Jahren mit dem Schritt in die Welt der Abschuss-Achterbahnen auf sich warten lässt.

    Qualität vor Innovation

    Bolliger und Mabillard ist ein Achterbahnhersteller, der auf hohe Qualitätsstandards setzt. Wer kann schon eine B&M Achterbahn nennen, die je durch lange technisch bedingte Ausfallzeiten oder schlechte Fahreigenschaften aufgefallen ist?
    Erreicht wird das durch ein simples Mittel:
    Jede Bahn wird nach einem wiederkehrenden Schema aufgebaut. Ähnliche Elemente, dasselbe Schienenprofil, dieselbe Stützenform oder auch ein identischer Aufbau der Sitze und Sicherheitseinrichtungen machen vor keinem der bisher gebauten Typen halt. Man beschränkt sich darauf, mit einfachen Konstruktionen spektakuläre Fahrerlebnisse zu bereiten.

    Der Nachteil an dieser Vorgehensweise liegt auf der Hand: Neue Innovationen sind selten. Der letzte große Schritt in eine neue Produktgruppe wurde 2011 gewagt, als man im italienischen Gardaland den ersten hauseigenen Wing Coaster aufstellte. Die Einführung des Dive-, sowie Flying-Modells liegen noch länger zurück. Eine eher schleichende Modernisierung zieht sich währenddessen durch die Produkte, von der der Achterbahnfan jedoch kaum etwas mitbekommt.

    Thunderbird

    2015 wird es jedoch den bisher wohl größten Umbruch in der Geschichte B&Ms geben.
    Die Rede ist vom ersten LSM-Launch Coaster der Schweizer Ingenieure. Der amerikanische Freizeitpark Holiday World in der Nähe von Santa Clause, Indiana, hat die Ehre die erste Bahn einer möglichen neuen Generation von B&M zu erhalten.

    Logo der Achterbahn


    Der vorgestern veröffentlichte Trailer zeigt einen auf den Namen „Thunderbird“ getauften Wingcoaster, der aus dem Stand auf 95 km/h beschleunigt. Durch einen 43 Meter hohen Immelmann Loop wird der Zug dann auf die Strecke entlassen. Es folgen drei weitere Inversionen sowie zwei Horseshoes und eine enge Aufwärtshelix auf einer insgesamt 925 Meter langen Strecke. Ein typisches Wing-Coaster Layout, das man in der Kategorie des „Flug der Dämonen“ einordnen kann.



    Nachteilig wirkt sich die neue Technik offenbar auf die Kapazität aus. Die Züge wurden auf einen deutlich leichteren Verbund aus 5 Fahrzeugen geschrumpft, was eine Kapazität von lediglich 1140 Gästen pro Stunde zulässt. Für einen Park wie Holiday World wohl ausreichend, in vielen Parks der Welt wird den B&M Achterbahnen jedoch deutlich mehr abverlangt.

    Layout


    360° In-Line-Roll



    Damit wird das 22 millionen Dollar Investment erst der zweite Wing Coaster weltweit mit einem Katapultstart. Intamin lieferte seinen den Prototypen mit Hydraulikabschuss „Furius Baco“ bereits 2007 ins spanische Port Aventura. Auf einen Nachfolger des Modells wartet man bislang vergeblich, was vermutlich dem leider stark ausgeprägten Rütteln während der Hochgeschwindigkeitsfahrt geschuldet ist.
    Umso erstaunlicher ist, dass man bei B&M gleich mit diesem Coastertyp ins Launch-Geschäft einsteigt. Ein Direktangriff also an die direkte Liechtensteiner Konkurrenz, ist doch zu erwarten, dass das Ergebnis hinsichtlich Fahreigenschaften und Spaßfaktor überzeugen kann, wenngleich der Abschuss deutlich schwächer ausfällt.

    Zu spät für das große Geschäft?

    Hört man auf die Stimmen der Fans, so ist der erste Launch-Coaster von B&M längst überfällig, wenn er nicht gar viel zu spät kommt.

    Die ersten Katapultachterbahnen tauchten bereits Ende der 1970er Jahre auf. Schwarzkopfs Shuttle Loops, die entweder mit einem Fallgewicht oder Schwungradantrieb auf Geschwindigkeit gebracht wurden, waren die Vorreiter in dieser Klasse. Die hydraulische Antriebstechnik kam hinzu, die Intamin bis heute zu mächtigen Rekordachterbahnen und Geschwindigkeitsrekorden verhilft.

    Wirklich populär wurden abgeschossene Achterbahnen dann im neuen Jahrtausend. Magnetische Antriebe verhalfen zu Anlagen mit dynamischen Beschleunigungen, On-The-Fly Beschleunigung, das ganze vorwärts oder Rückwärts und vor allem auch für Kompaktanlagen rentabel und bezahlbar.
    Ein vielseitiges Tool, auf das sich nahezu alle Achterbahnhersteller mit größerem oder kleinerem Erfolg stürzten. Ein gewisser Boom kam auf, der die Launch-Coaster nur so aus dem Boden sprießen ließ. Aber wer machte nicht mit? Genau – B&M vertraute weiterhin auf das klassische Kettenliftsysteme. Vielleicht ein strategisches Abwarten, bis Kunden das nötige Vertrauen in die junge Technik aufgebaut haben und sich an größere Investitionen wagen.

    Ein guter Ruf

    Eine gewisse Vorrangstellung, was die Entwicklung von Großachterbahnen betrifft, galt es gegen die wachsende Konkurrenz zu verteidigen. Und das sollte ohne das Reiten auf der Launch-Coaster Welle funktionieren? Die letzten Jahre zeigen, dass es offensichtlich geklappt hat. Insbesondere im Wing- und Mega-Coaster Segment wurden zahlreiche Anlagen verkauft und in höchsten Tönen gelobt. Der Bedarf an den „anderen“ Anlagen war also weiterhin vorhanden. Ob potentielle Kunden aufgrund des nicht erfüllten Wunsches nach einer Katapultachterbahn zu Konkurrenz gewechselt sind, können wir natürlich nur vermuten. Fest steht jedenfalls, dass auch ohne erweitertes Portfolio die Stellung am Markt gewahrt werden konnte.

    Ob der jetzt erst erfolgte Einstieg in das neue Geschäftsfeld an die bisherigen Erfolge anknüpfen wird ist ungewiss. Es kann davon ausgegangen werden, dass auch B&M dort seinen Platz finden wird. Die Konkurrenz ist vielseitig, doch einen Coaster in B&M Qualität mit Launch ausstatten kann eben nicht jeder. Soll heißen, dass potentielle Kunden nun nicht mehr auf die herausstechende Qualität und Zuverlässigkeit B&Ms verzichten müssen, wenn eine Katapultachterbahn gewünscht ist. Anlagen dieser Art werden sicher auch ihren Preis haben, sodass abzuwarten bleibt, ob auch der ein oder andere weitere Park diese Option wählen wird.

    Ein allseits bekannter erster Ausflug von Bolliger & Mabillard in Richtung der Abschussachterbahnen soll an dieser Stelle natürlich nicht unbeachtet bleiben. Als das Universal Orlando Resort 1999 seinen zweiten Park, die Islands of Adventure eröffneten konnte man mit dem einzigen B&M Coaster mit Reibradabschuss aufwarten. Aus einer überdimensionalen Röhre heraus wird bei „The Incredible Hulk“ der 28 Personen fassende Zug in die erste Inversion „geschossen“. Zu dieser Ausnahme kam es, so heißt es, da B&M auf Drängen Universals auf den speziellen Wunsch einging.

    The Incredible Hulk



    Mit der Ankündigung von „Thunderbird“ können wir uns freuen, dass die beliebten B&M Achterbahnen in Zukunft auch mit Abschuss erlebt werden können und hoffen, dass sich der ein oder andere weitere Park dieser Option bedient. Kommt es dazu, erfahrt ihr das natürlich in unserem News Bereich. Bis dahin viel Spaß beim Spekulieren und begleiten der Bauarbeiten zu „Thunderbird“. Wir sind gespannt auf die ersten Erfahrungsberichte aus der Holiday World in der kommenden Saison.

    Weitere Bilder und Videos von Thunderbird sowie die Baufortschritte findet ihr bei uns im Forum:
    2015 Neuheit: Thunderbird (Launched Wing Coaster, B&M) @ Holiday World

    Quellen / Links:
    Offizielle Microseite Thunderbird
    Bild: IOA - Incredible Hulk Coaster
    Mario M., TomTom, A47CderMarc und 28 anderen gefällt dieses Posting.
    Kommentare 1 Kommentar
    1. Avatar von Coaster Vinc
      Coaster Vinc -
      Schön der zweite B&M Launch Coaster