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  • Steckbrief Achterbahnhersteller - Vol3: Gerstlauer





    In unserer Artikel Serie wird es in Teil 3 Zeit für eine der deutschen Achterbahnschmieden.
    Gerstlauer ist wohl die Coaster Fabrik, die zurzeit das größte Aufsehen erregt. Vor wenigen Jahren noch eher unbedeutend in der Freizeitindustrie, schreckt man heute nicht einmal mehr vor Weltrekordprojekten zurück. Aber auch abseits von "höher, schneller, weiter" punktet Gerstlauer mit innovativen Layouts und Fahrelementen beim Publikum.



    Mittlerweile findet man große und kleine Achterbahnen der Firma mit Sitz in Münsterhausen bei Ulm in vielen deutschen und internationalen Freizeitparks. In der RCDB sind aktuell genau 50 Bahnen gelistet. Darunter bekannte Namen wie "Fluch von Novgorod", "Saw - The Ride" oder "Takabisha", aber auch familien- und kindertaugliche Coaster wie die "Drachenjagd" im Legoland oder die "G'sengte Sau" in Tripsdrill.




    Die Historie

    Hubert Gerstlauer ist Firmengründer und war zuvor Mitarbeiter des Schwarzkopf GmbH. 1982 entschied er sich, seinen alten Arbeitgeber zu verlassen und seine eigene Firma in die Welt zu rufen. Unter dem Namen „Gerstlauer Elektro GmbH“ legte man das Hauptaugenmerk auf Elektroinstallationen abseits der Achterbahnen. Jedoch arbeitete man weiter mit Anton Schwarzkopf zusammen und belieferte dessen Anlagen mit den nötigen elektronischen und pneumatischen Einrichtungen bis zum Konkurs des traditionsreichen Achterbahnherstellers 10 Jahre später.
    Während Teile der insolventen Firma an Maurer Söhne in München und die vorhandenen Patente an die Liechtensteiner Intamin AG übergingen, übernahm Gerstlauer Teile der Produktionshallen in Münsterhausen. Dies ermöglichte der Firma den Einstieg in die eigenständige Herstellung von Fahrgeschäften und Achterbahnen. Wie es auch schon Anton Schwarzkopf zum großen Durchbruch verholfen hatte, arbeitete Gerstlauer ebenfalls mit dem Ingenieur Büro Stengel aus München zusammen.
    Die erste eigene Achterbahn wurde schließlich 1998 produziert und eröffnet. Es ist die bekannte „G’sengte Sau“ im Erlebnispark Tripsdrill.


    Damit kommen wir zum ersten Achterbahntypen, den Gerstlauer in seinem Portfolio hat:

    Bobsled Coaster

    Es handelt sich bei diesem Achterbahntyp, so könnte man sagen, um eine ausgewachsene „Wilde Maus“. So wird die Strecke hier zum einen von Einzelfahrzeugen mit 4 Sitzplätzen befahren, wie es auch bei den Kultbahnen der Fall ist. Zum anderen beinhalten fast sämtliche Bahnen des Typs die berühmten „Mauskurven“ sowie kleine Abfahrten und Bunny Hops. Deutlich spannender machen die „Schlitten-Achterbahnen“ aber zusätzliche kurvige Abfahrten, schnelle Richtungswechsel und ein meist weitläufiges Layout.
    Bis heute wurden 9 solcher Anlagen gebaut. Darunter „Thors Hammer“ im Djurs Sommerland (DK) oder die Indoor Achterbahn „Van Helsing’s Facory“ im Movie Park.




    Spinning Coaster

    Den einzig großen technischen Unterschied zum Bobsled Coaster findet man bei diesem Typ mit dem Fahrzeug. Wie der Name schon sagt kommen hier drehbare Gondeln zum Einsatz. Teilweise wurden sogar Spinning Coaster gebaut, die dieselben Layouts wie Bobselds haben.
    Man verzeichnete mit diesem Typ sogar einen größeren Erfolg, sodass hiervon bereits über 20 Bahnen existieren. Dazu zählen „Han-Katten“ im Bonbon-Land (DK) mit einem standardisierten Layout, sowie die Custom Variante „Vicky the Ride“ in Plopsa Coo (BE)mit toll thematisierten Fahrzeugen.




    Family Coaster

    Im Bereich der familientauglichen Achterbahnen hat Gerstlauer noch einen weiteren Typ im Portfolio. Den Family Coaster gibt es in verschiedenen Varianten. Gemeinsam haben sie, dass mehrgliedrige Achterbahnzüge zum Einsatz kommen, wobei in jedem Waggon 2 Personen nebeneinander Platz finden.
    Die Junior Variante legt nur einen geringen Höhenunterschied zurück. Sie soll auch den jüngsten Parkbesuchern den Spaß am Achterbahnfahren ermöglichen. Als Beispiel dient hier der „Runaway Coaster“ in Drayton Manor (UK).
    Etwas größer ist die Boomerang Variante. Die Fahrstrecke ist nicht geschlossen und endet mit zwei Liften, was eine Vor- und Rückwärtsfahrt ermöglicht. Als erster Vertreter eröffnete der „Gipfelstürmer“ im Freizeitpark Ruhpolding.
    Noch mehr Tempo legt die „echte“ Familien Variante vor. „TNT Tren de la Mina“ im Parque de Atracciones de Madrid zeigt dabei eindrucksvoll, welchen Fahrspaß man trotz geringer Höhe bieten kann. Hinzu kommt ein authentisches Zugdesign.






    Eurofighter

    Konnte man bei den bisher genannten Produkten von Gerstlauer noch nicht von maßgebenden Innovationen sprechen, ist das spätestens beim Eurofighter der Fall.
    Im Gegensatz zu bisherigen Loopingbahnen kommen hier Einzelwagen zum Einsatz, die jeweils 2 Reihen mit 4 Sitzplätzen bieten. Diese kompakten Fahrzeuge ermöglichen kleine Radien und enge Rollen. Dies machte man sich zu Nutze und entwickelte einen First Drop mit einem Gefälle über 90° angeschlossen an einen Senkrechtlift, welcher mittlerweile zum Markenzeichen der Eurofighter geworden ist.
    Der erste Eurofighter öffnete 2003 im Bonbon-Land. Während „Vild-Svinet“ ein recht ausgedehntes Layout mit einem Looping besitzt, zeigt der eigentliche Prototyp, was mit dem neuen Achterbahntyp wirklich möglich ist. „Typhoon“ wurde zwar erst ein Jahr später im Bobbejaanland (BE) eröffnet, bei seiner Entwicklung schon vor dem dänischen Bruder, nutzte man allerdings die kompakte Bauweise des Eurofighter wesentlich effektiver. Dieser dreht somit auf kleinstem Grundriss seine Runden durch 4 Inversionen, sowie weitere Elemente. Eine weitere kompakte Variante steht in England im Adventure Island. Das Layout von "Rage" bekamen auch andere Parks.






    Launch-Coaster

    2008 sprang Gerstlauer auf die Launch Coaster-Welle auf und baute für den dänischen Freizeitpark Farup Sommerland die Bahn „Lynet“. Nach „Anubis: The Ride“ (Plopsaland de Panne) entsteht mit „Karacho“ im Freizeitpark Tripsdrill derzeit der dritte reine Launch Coaster von Gerstlauer. Mit „Lynet“ brachte man ein neues Wagendesign auf die Strecke, bei dem 6 Sitzplätze paarweise hintereinander angeordnet sind. Dabei sind die Sitze nach hinten erhöht und V-förmig nach außen versetzt, was eine freie Fahrposition für die hinteren Reihen bedeutet.
    Insgesamt unterscheiden sich die Launch Coaster kaum vom Eurofighter. So werden die neuen Fahrzeuge auf beiden Typen eingesetzt und die Layouts ähneln sich teilweise sehr. Jedoch fehlt der übersteile Drop und das Fahrzeug wird hier durch einen LSM-Antrieb auf Geschwindigkeit gebracht.






    Kataplektor

    Auch wenn dieser Begriff als Eigenkreation des Hansa Parks in Verbindung mit dem "Fluch von Novgorod" entstand, benutze ich ihn für eine weitere Kategorie der Achterbahnen aus dem Hause Gerstlauer. Er beschreibt die Kombination des typischen Eurofighter mit dem Launch Coaster. Anschaulich bedeutet das, dass die Achterbahn sowohl einen Abschuss, als auch einen Kettenlift mit Drop hat. Neben dem "Fluch" existiert nur ein weiteres Modell dieser Art: der bisher größte Gerstlauer Coaster Takabisha im Fuji Q Highland (Japan), welche auch die weltweit steilste Achterbahn ist.




    Schon häufiger wurden vor allem im Bezug auf die älteren Auslieferungen der Eurofighter Modelle die schnell nachlassende Qualität der Fahreigenschaften unter Fans bemängelt. Für die aktuellen Projekte verspricht man jedoch ein verbessertes Fahrwerk, das den Problemen Abhilfe verschaffen könnte.


    Holzachterbahnen

    Obwohl Gerstlauer hauptsächlich in Sachen Stahlachterbahnen aktiv ist, sollten wir alle auch eine Holzachterbahn kennen, an deren Entstehung die Münsterhausener Firma nicht unerheblich beteiligt war. „Mammut“ im Erlebnispark Tripsdrill wurde grundlegend von Holzbau Cordes entwickelt und hergestellt. Steuerungskomponenten und Bauteile wie Magnetbremsen, welche bei Holzachterbahnen nur selten zum Einsatz kommen, stammen dabei von Gerstlauer.


    Andere Typen

    2012 wagte sich Gerstlauer an den ersten Spinning Launch Coaster überhaupt. Als besonderes Schmankerl beinhaltet die Indoorbahn „Veil of Dark“ sogar noch eine Heartline Roll und ist damit auch der erste Spinning Coaster mit Inversion.
    Kürzlich feierte in Alton Towers (UK) The Smiler seinen Schienenschluss. Diese Bahn lässt sich keinem der bisherigen Typen zuordnen und weist mit seinen zwei unterschiedlichen Liften, Zügen für 16 Personen und einem Layout mit unglaublichen 14 Inversionen einige Besonderheiten auf.





    Wo Gerstlauer noch zu finden ist

    Nicht nur vollständige Achterbahnen baut Gerstlauer, sondern ist außerdem involviert in Instandhaltung und Restaurierung bestehender Modelle. Dabei handelt es sich insbesondere um die Ausstattung alter Schwarzkopf Coaster und die Bereitstellung von Ersatzteilen dieser Anlagen. Auch Modernisierungen hat Gerstlauer bereits an älteren Achterbahnen von Schwarzkopf durchgeführt. Beispielsweise wurde der „Sooper Dooper Looper“ im Hersheypark mit neuen Zügen ausgestattet.

    Doch nicht nur Stahlachterbahnen erhalten Technik aus dem Hause Gerstlauer, sondern auch Woodies. Holzachterbahnzüge werden auf der Firmenhomepage als eigene Kategorie aufgeführt. Entsprechend viele Achterbahnen wurden bereits mit Gerstlauer Zügen ausgestattet. Es werden 4-Sitzer und 6-Sitzer Züge angeboten und es wurden zudem Hybrid Woodies der neuen Generation mit Fahrzeugen der Firma bestückt. Darunter auch der „New Texas Giant“ in Six Flags over Texas (USA).


    Der mittlerweile von den deutschen Volksfesten verschwundene Inverted Coaster „Eurostar“ machte schon in jungen Jahren deutliche Einbußen in Sachen Fahrkompfort. 2003 wurde Gerstlauer mit einer kompletten Überarbeitung der Bahn, die ursprünglich unter dem eigens gegründeten Konstruktionsbüro Bruch für den gleichnamigen Schausteller entwickelt und hergestellt wurde, beauftragt. Zum Oktoberfest 2004 hatte man es geschafft, die Anlage wieder angenehmer fahrbar zu machen.


    Flatrides

    Gerstlauer trifft man auch abseits der Achterbahnen in den Freizeitparks dieser Welt an, reicht die Spannweite der Produktpalette doch von Riesenrädern über Flatrides bis hin zu Panoramafahren.
    Während man das Riesenrad nicht neu erfinden kann, hat man im Sektor Flatrides einige Innovationen hervorgebracht. Dazu zählt vor allem der „Sky Fly“, eine Attraktion, in der der Passagier in Handarbeit die Intensität der Fahrt bestimmen kann. Dies wird dadurch ermöglicht, dass jeder Fahrgast einen Einzelsitz besetzt, welcher mit seitlichen Steuerflügeln bestückt ist. Je nach Stellung dieser Flügel kommt es zu einem oder mehreren Überschlägen. Mit „Flying Ninjago“ eröffnete 2012 im Legoland Deutschlands erster Sky Fly.


    Einigen unter Euch ist sicherlich schon die Adrenalinschleuder „Parkour“ auf Deutschlands Volksfesten begegnet. Dieser stammt ebenfalls aus dem Hause Gerstlauer und wird unter dem Namen „Suspended Polyp“ geführt.



    Es zeigt sich, dass Gerstlauer eine Firma ist, die man in vielen Bereichen der Vergnügungsindustrie antrifft. So konnte ich hier auch nur einige Beispiele an Produkten nennen.
    Für uns Coasterfriends wird Gerstlauer immer interessanter. Eurofighter und Co. haben schon vielen Achterbahnfans den Kopf verdreht, doch es kommen schon weitere spannende Projekte aus Münsterhausen auf uns zu. The Smiler verspricht ein riesiger Erfolg zu werden, was uns auf eine weiterhin verrückte Zukunft hoffen lässt!

    Gerstlauer in Deutschland

    Der Erlebnispark Tripsdrill diente der Firma als Sprungbrett in die Welt der großen Achterbahn Manufakturen. In wenigen Wochen erwarten uns in diesem Park bereits drei Achterbahnen aus gleichem Hause.
    Wer noch mehr Gerstlauer in Action erleben möchte, für den lohnt es sich einen Blick nach Belantis zu werfen. Hier finden sich neben dem Eurofighter "Huracan" und dem Bobsled Coaster "Drachenritt" auch einen Sky Roller. Dieses einmalige Rundfahrgeschäft mit dem Namen "Götterflug" ist der Prototyp des Sky Flys und funktioniert nach demselben Prinzip.





    Desweiteren findet man in der Heimat die bereits angesprochene Bahn "Fluch von Novgorod" und den Family Coaster "Schlange von Midgard" im Hansa Park, welche durch tolle Thematisierung aufgewertet wurden. Außerdem befinden sich weitere familientaugliche Coaster im Freizeipark Klotten, dem Legoland Deutschland, dem angesprochenen Freizeipark Ruhpolding, sowie dem Märchenwald im Isartal.
    In Österreich entsteht mit der "Rattenmühle" im Freizeitpark Neusiedlersee der erste Gerstlauer Coaster des Landes.


    TEIL 1 Intamin
    TEIL 2 B&M


    Quellen und Bilder:
    Offizieller Internetauftritt von Gerstlauer
    Wikipedia
    Coastersandmore
    Roller Coaster Data Base
    Coaster-Smitty, Mario M., farmerjohn und 41 anderen gefällt dieses Posting.
    Kommentare 4 Kommentare
    1. Avatar von HoNg
      HoNg -
      Wurde Parkour jetzt komplett neu von Gerstlauer gebaut? Dachte immer dass das Schwarzkopf Fahrgeschäft Sound Factory von Kinzler die Basis dafür war. Womöglich verwechsle ich da aber etwas.
    1. Avatar von Mario M.
      Mario M. -
      Nein, das stimmt schon

      Für den ersten und bisher einzigen Suspended Polyp wurde die Sound Factory umgebaut:

      Parkour“ basiert auf dem Hoch-Rundfahrgeschäft „Sound Factory“ des Herstellers Schwarzkopf (Typbeseichnung "Absoluter"), das in seiner gesamten Konstruktion und mit neuer Optik von der Firma Gerstlauer Amusement Rides (www.gerstlauer-rides.de) made in Germany zum „Parkour“ überarbeitet wurde.
      Quelle

      Da würde ich aber gerne noch eine weitere Auslieferung von sehen
    1. Avatar von sven
      sven -
      Zitat Zitat von Mario M. Beitrag anzeigen
      Da würde ich aber gerne noch eine weitere Auslieferung von sehen
      Da stehen die Chancen eher schlecht für. So ein Stahlmonster ist als Neubau eher in der Kategorie "unbezahlbar" heutzutage.
    1. Avatar von doCoaster
      doCoaster -
      Ich habe noch einmal kleine Änderungen am Text vorgenommen um Fehlinformationen zu korrigieren.