• Werbung

  • Steckbrief Achterbahnhersteller - Vol. 4: GCI



    Holzachterbahnen haben eine lange Tradition. Schon Ende des vorletzten Jahrhundert und in den darauffolgenden Jahrzehnten entstanden besonders in den Vereinigten Staaten zahlreiche Vergnügungsparks, die alle mit ihren eigenen Achterbahnen lockten. Damals bestanden diese alle aus Holz, was zu einer regelrechten Flut an Holzachterbahnen führte. Wenige davon sind in den heutigen Zeiten der Stahlachterbahnen noch in Betrieb und haben einen ganz besonderen Reiz auf Fans. Auch unter den Neuheiten finden sich immer weniger Holzachterbahnen. Höhen- und Geschwindigkeitsrekorde, spektakuläre Fahrfiguren und modernste Technik werden zu einem Muss um Besucher anzulocken, und da verlieren Woodies schnell das Rennen gegen die unbegrenzten Möglichkeiten der Stahlcoaster.

    Dennoch gibt es heute einige Firmen, die sich auf die Entwicklung und Herstellung von Holzachterbahnen spezialisiert haben. Entscheidend für das Bestehen am Markt ist für sie die Übertragung der modernen Standards auf die traditionelle Bauweise. Computerunterstützes Designen und Berechnen der Anlagen zählen dabei schon lange dazu. Das ermöglicht hochdynamische Layouts, welche den Kampf gegen die stählerne Konkurrenz mühelos aufnehmen können.

    Einer der bekanntesten Hersteller moderner Holzachterbahnen ist die Great Coasters International Inc. Auf der Liste der hauseigenen Achterbahnen stehen 21 Einträge. Das klingt nach wenig für eine Firma, die in diesem Jahr bereits ihr 20. Jubiläum feiert, jedoch zählt hier wie so oft Klasse vor Masse. Nicht umsonst finden sich GCIs Kreationen in bedeutenden Freizeitparks weltweit.



    Die Historie
    Mit der Gründung im Jahr 1994 ist der Hersteller noch lang keiner der „alten Hasen“. Länger schon tätig in der Vergnügungsindustrie sind jedoch die Gründer Mike Boodley und Clair Hain Jr.
    Mike Boodley war zuvor bei „Custom Coasters International“ tätig. Einer Firma, die in kurzer Zeit international viele Holzachterbahnen verkaufen konnte. Jedoch musste sie 2002 durch Bankrott die Geschäftstätigkeit einstellen. Übrig blieben bekannte Bahnen wie „Stampida“ in Port Aventura oder “Ghost Rider“ in Knott’s Berry Farm.
    Auch Hain hatte einige Stationen im Holzachterbahngeschäft, bevor es zur Gründung von GCI kam. Heute ist er der Präsident des Unternehmens.
    Die erste Achterbahn von Great Coasters wurde 1996 mit „Wildcat“ im Hershey Park eröffnet.


    Was zeichnet Holzachterbahnen von GCI aus?
    Great Coasters sorgt mit jeder seiner Bahnen für ein individuelles Fahrerlebnis, das eine große Zielgruppe anspricht. Die Anlagen haben fast alle Höhen von familienfreundlichen 30 bis 40 Metern und nutzen die erhaltene Geschwindigkeit auf den anschließend größtenteils bodennahen Layouts bis zum Ende aus. Dabei setzt man auf zahlreiche abrupte Airtimemomente und Richtungswechsel. Auch mit dem Banking wird gerne experimentiert. So erlebt der Fahrgast Airtime in Schräglage, verdrehte Drops und sogar nach außen gelehnte Kurven. Die schnelle Abfolge der Elemente erzeugt das bei Achterbahnfans so beliebte „Out-Of-Control-Feeling“. Etwas, das den Charme unberechenbarer Holzachterbahnen aus vergangenen Jahrzehnten wieder aufleben lässt, der an den moderne Stahlachterbahnen mit ihrer meist erstklassigen Laufruhe und ausgeprägten Elementen verloren gegangen ist.

    Die hohe Geschwindigkeit der „GCIs“, wie die Bahnen des Herstellers kurz genannt werden, bekommen die Fahrgäste oft schon während des Einsteigens mit. Mehrere der Woodies sind mit einem sogenannten Station Fly Through ausgestattet, wobei der Zug über den Köpfen der wartenden Gäste durch das Stationsgebäude rauscht.
    Besonders markant für GCI Coaster ist außerdem der verdrehte First Drop, der bei einigen Anlagen eingesetzt wurde. Hierbei vollendet der Zug während der ersten Abfahrt eine 180° Wende.

    Gebaut werden die Holzachterbahnen nach klassischem Vorbild. Senkrechte Bents werden im Abstand von 2 bis 3 Metern aufgestellt und bei Bedarf (üblicher Weise in Kurven) durch seitliche schräge Ausladungen verstärkt. Die Layouts sind oft in sich verschlungen und benötigen nur wenig Grundfläche, was meist zu einem unstrukturierten aber eindrucksvollen Erscheinungsbild führt.

    Millenium Flyer Züge
    Einen Meilenstein im Holzachterbahnbau erreichte man mit der Entwicklung der sogenannten „Millenium Flyer“ Züge. Sie bestehen meist aus 10 bis 12 Einzelfahrzeugen mit je zwei Sitzplätzen. Die stark gepolsterten Sitze erinnern dabei an das heimische Fernsehsofa und verhindern auch bei der wildesten Fahrt unangenehmen Kontakt mit den Seitenlehnen. Gleichzeitig bieten sie komfortable Lap-Bars und somit viel Bewegungsfreiheit. Auch äußerlich präsentieren sie sich in ansprechendem Design und können individuell gestaltet werden.
    Außer der drei ersten Coaster, die von Zügen der „Philadelphia Toboggan Coasters“ (PTC) befahren wurden, sind alle mit den hauseignen Zügen ausgestattet. Bis auf „Roar“ in Six Flags America, erhielten auch die anderen Bahnen die „Millenium Flyer“ Züge als Nachrüstung.


    Seit 2013 hat GCI die Züge auch als Junior Variante unter der Bezeichnung „Mini-llenium Flyer“ im Angebot. Diese wurden bisher auf der bestehenden Holzachterbahn „Coastersaurus“ im Legoland Florida installiert.

    GCI in Deutschland
    Seit 2009 ist GCI auch in Deutschland mit seiner ersten Bahn vertreten. Der bis damals eher unbedeutende Freizeitpark Plohn wagte sich an die erst vierte Holzachterbahn im eigenen Land und holte sich dazu den inzwischen renommierten amerikanischen Hersteller ins Boot. Mit einem geringen Budget zauberte man hier "El Toro", eine Anlage, die sich sofort ihren festen Platz in den Herzen der Achterbahnfans eroberte. Was hier aus lediglich 24,5 Metern Höhenunterschied herausgeholt wird beweist, dass nicht immer größer schneller und weiter zählt. Gleichzeitig ist die Bahn hervorragend in die bestehende Parklandschaft integriert worden und bildet seither die Hauptattraktion in Plohn, welche dem bis dato fast unbekannten Park einen deutlichen Sprung ins Mittelfeld der deutschen Freizeitparkszene beschert hat.



    In der Saison 2012 eröffnete der zweite GCI Woody Deutschlands. Der Europapark kündigte bereits im Vorjahr recht überraschend die bereits elfte Achterbahn im Park an. Entschieden hatte man sich für die etwa einen Kilometer lange Holzachterbahn Wodan Timbur Coaster, die mit einem individuellen aber dennoch GCI-typischen Layout den isländischen Themenbereich des Parks vollenden sollte. Ausgezeichnet wird die Anlage durch drei Tunnel, einen Station Fly Through sowie eine aufwendigen Thematisierung. Auch der Europapark landete mit der Holzachterbahn aus den Staaten einen großen Erfolg.



    Weitere bekannte Bahnen
    Gleich die dritte Bahn, die von GCI erbaut wurde dürfte den meisten Achterbahnfans ein Begriff sein. Die aus zwei unabhängigen Fahrstrecken bestehende Gwazi in Busch Gardens Tampa bietet nicht nur einen imposanten Anblick, sondern auch ein außergewöhnliches Fahrerlebnis. Auf zwei rasanten Strecken begegnen sich die Züge häufig und werden sogleich wieder in die nächste Kurve gerissen. Nach wenigen Betriebsjahren wurden jedoch die Fahreigenschaften immer wieder kritisiert. Eine geringfügige Besserung erreichte man 2011, als auch auf dieser Bahn Millenium Flyer Züge eingesetzt wurden. Dennoch wurde bereits ein Jahr später die „Tiger“ Seite geschlossen, da die Nachfrage offensichtlich nicht mehr groß genug war.


    Auf dem europäischen Kontinent finden sich die Werke von Great Coasters in Finnland und den Niederlanden. Während „Thunderbird“ im finnischen Powerpark eher gewöhnlich daherkommt, sind die holländischen Geschwister schon deutlich interessanter. Efteling präsentiert seit 2010 mit „Joris en de Draak“ einen spannenden Racing Woodie mit den zwei parallelen Spuren „Water“ und „Vuur“. Beide sind echte Spaßmaschinen mit viel Airtime. Das Wettrennen ist das i-Tüpfelchen auf dem Gesamterlebnis.
    „Troy“ im Toverland ist dagegen ein „einfacher“ Vertreter, der jedoch mit viel Geschwindigkeit zu überzeugen weiß und in vielen Favoritenlisten auftaucht.

    Das größte Fabrikat GCIs befindet sich im chinesischen „Knight Valley“. Der „Wood Coaster“ (oder auch „Mountain Flyer“) liegt an einem Hang und nutzt die vorhandenen Höhenunterschiede, um mit atemberaubender Geschwindigkeit knapp über dem Boden zahlreiche Bumps und Umschwünge zu absolvieren. Die Strecke besitzt dabei eine Länge von knapp 1,5 Kilometern.


    Die aktuell neuste Anlage steht im Fun Spot America in Orlando. „White Lightning“ ist die einzige Achterbahn des Herstellers, die auf Stahlstützen ruht und gilt damit als Hybrid Coaster. Für 2015 ist bereits der nächste große Woody für China angekündigt. „Viper“ im neuen Wanda City Theme Park wird mit über 1,5 Kilometern die längste GCI Bahn.


    Retracking
    Eine weitere Aufgabe, der sich GCI verschrieben hat, ist das Retracking alter Holzachterbahnen. In die Jahre gekommene Anlagen verschiedenster Hersteller weisen meist nachlassende Fahreigenschaften auf. Wie auch in anderen Bereichen muss das Holz als natürlicher Werkstoff irgendwann ersetzt werden. Beim Retracking betrifft dies die Laufschienen der Achterbahnen. Dabei wird auf die vorhandene Stützkonstruktion die Schiene wie bei einer neuen Anlage verlegt.
    Beispielhaft hat GCI dieses an Teilstücken des berühmten Cyclone auf Coney Island durchgeführt.

    Quellen und Bilder:
    www.greatcoasters.com
    www.facebook.com/greatcoaster
    www.rcdb.com
    Marcel46, oliverd, PeterKa und 24 anderen gefällt dieses Posting.
    Kommentare 1 Kommentar
    1. Avatar von Falo
      Falo -
      Sehr schöner Artikel.

      Kleine Anmerkung :
      Ich würde bei der Bahn im Freizeitpark Plohn auch den Namen der Bahn (El Toro) erwähnen.
      Hier werden den Namen zwar fast alle kennen aber die Artikel sollen ja auch nicht so erfahrene Coaster Freunde locken.

      Auch würde ich im Link Anhang noch die Links zu den Bauberichten hier im Forum verlinken.
      Z.B. für Wodan: http://www.coasterfriends.de/forum/c...ropa-park.html